Blechroller

Beschreibung eines Roller-Fahrers (leider unbekannt):
Wenn ich Roller meine, dann die“ echten“ mit Handschaltung und aus Blech. Nur Warmduscher und Fäustlingfahrer, die nicht bis 4 (Gänge) zählen können, fahren Plastikroller mit Automatic. Ich will auf meinen Motor Einfluss haben, nicht umgekehrt, denn ich bestimme warum und mit welcher Drehzahl gefahren wird. Ich kann mit der rechten Hand und dem rechten Fuß gleichzeitig bremsen, und mit meiner linken einen Gang wählen, damit ich zügig weiterkomme. So was nennt man heute wohl Multitasking und wurde schon in den 50er Jahren von einfachen Hausfrauen beherrscht. Mag die Technik besser sein, (allein, mir fehlt der Glaube…) auf’s Knöpfchen drücken, Gas geben und losfahren ist für mich kein Fortschritt, sondern die bedingungslose Kapitulation vor einer gut gemachten, weil einfachen, robusten und überschaubaren Technik. Scheibenbremsen sind was für Bergaufbremser, wer macht das schon? Trotz Trommelbremsen kleben bei mir keine Mücken am Rücklicht. Vespafahren ist für mich einfach Kult, hat was mit Nostalgie, italienischen Momenten, kleinen Fluchten aus dem Alltag, und wasweißichnochalles zu tun, eben ein Feeling was auf dem kreischenden Sondermüll einfach nicht rüberkommen kann und wird, und sei’s dabei noch so schön im Retro-Stil desinged. Überhaupt: Lieber ein paar ehrliche Rostpickel. Plastik, welches einige Jahre „draußen“ stand und Ozon, Sonnenstrahlen, wechselten Temperaturen, u.v.m. ausgesetzt war, wird spröde und platzt beim ersten Sturz. Was hab ich’s da gut: Eine Ausbeulgarnitur, ein bisschen Spachtel, Farbe, fertig. Deshalb muss ich auch den Mann vom Bauhof nicht bestechen, wenn ich nach Jahren mein Tupperroller in den Schredder kicken muss. Schon deshalb kommen wohl jedes Jahr neue Typen dieser zwangsbejackten Rasenmäher auf den Markt. Dabei wird Leistung aus Drehzahl gemacht, und elektronisch oder sonst wie abgeregelt. Die Technik aber bleibt beim alten, dabei müsste man beim heutigen Stand der Technik doch wenigstens ein Mischungsverhältnis 1:100 (für was sonst brauchts eine Ölpumpe??), Viertakt mit Kat, elektronisches Management, und ABS als Minimum aus dem Ärmel schütteln können. Na ja, was gut ist bleibt halt, nur was besser ist, heißt Vespa. Nicht, dass ich diesen ganzen Schnick-Schnack in meiner Wespe vermisse, nein, ganz gewiss nicht, schließlich kann ich noch an meinem Roller alles selber machen. Dabei sollte man auch bei einer Vespa „solide“ nicht mit „unkaputtbar“, „zuverlässig“ nicht mit „wartungsfrei“, und „robust“ nicht mit „idiotensicher“ verwechseln. Trotzdem finde ich mich noch sehr tolerant, denn eigentlich meine ich, das es noch einen Roller gibt, der vielleicht sogar ein ganz klein bisschen besser als die Vespa ist, er hatte schon immer das bessere Fahrwerk („Länge läuft“), eine richtige Schwinge vorne, und hinten eine echte Treibsatzschwinge, damit der Motor dort sitzt wo er hingehört: In der Mitte, auch wenn man sich deshalb den Ausdruck „Ritzelfahrer“ -ein Schimpfwort für der Knieschlußfraktion- gefallen lassen muss. Ja, meine Lieben es ist die Lambretta, und die schönste davon ist die „D“ bei uns als NSU-Lammy verkauft. Klar, da gab’s noch Bellas (auch schön) Dianas (noch schöner) und Tourist (vielleicht der beste).