kleine Rollertypenkunde

Kleine NSU-Roller Typenkunde (mit Dank an Ulli Hölscher)

Vom Beginn der großen Jahre an (1950-1964) bis fast zum traurigen Ende der Zweiradära in 1965 wurden bei NSU fünf verschiedene Rollertypen in über 275.00 Exemplaren gebaut, die im folgenden mit ihren besonderen Merkmalen vorgestellt werden.
Alles begann im Jahre 1950 damit, daß NSU einen fünfjährigen Lizenzvertrag mit dem italienischen Rollerfabrikanten Innocenti aus Mailand über die Produktion einer modifizierten Variante des Innocenti-Modells „Lambretta LC“ für den deutschen Markt abschloß.
Mit der typisch deutschen / schwäbischen Gründlichkeit wurde bei NSU aus der Innocenti Lambretta der sowohl technisch als auch optisch wesentlich verbesserte „NSU Lambretta Autoroller“ geschaffen. Pünktlich zur Frühjahrsmesse 1950 in Frankfurt wurde das neue Prachtstück in den vier fröhlichen Farben lindgrün, beige, mittelgrau und hellblau dem staunenden Publikum vorgestellt. Die Technik des ersten NSU-Rollers präsentierte sich wie folgt: 125cm³ Flachkolben Zweitaktmotor mit 4,5 PS (später 5,1 PS), ausreichend für eine Höchstgewindigkeit von 70 km/h. Ein handgeschaltetes Dreiganggetriebe und eine technisch sehr aufwendige Kraftübertragung mit zwei Kegelrad- und einem Stirnradpaar sorgten für eleganten und wartungsarmen Vortrieb. Der steife Rahmen und die formschöne Karosse vollendeten das Bild eines bereits zu Serienbeginn ausgereiften Zweiradfahrzeugs für den gehobenen Anspruch. Der NSU-Lambretta Autoroller wurde angepriesen als das ideale Fahrzeug für die moderne Frau und den korrekt gekleideten Mann. Innerhalb kurzer Zeit wurde die NSU-Lambretta nicht nur zum meistverkauften Motorroller, sondern auch zum umsatzstärksten motorisierten Zweiradfahrzeug Deutschlands mit Ausnahme der Mopeds (z.B. 1953 und 1954 jeweils über 29.000 Stück).
Im Rahmen der Modellpflege und Weiterentwicklung wurden zahlreiche kleine und größere Änderungen und Verbesserungen an der Lambretta vorgenommen, von denen hier nur die zwei wichtigsten beispielhaft aufgeführt sind: Zur Vervollkommnung des Images als „Autoroller“ erhielt die Lambretta schon bald einen elektrischen Anlasser. Ab 1954 wurde der Hubraum auf 150cm³ aufgestockt, was die Leistungsausbeute auf 6,2 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h erhöhte.
Innerhalb der 7-jährigen Produktionszeit (von 1950 bis 1956) wurden mehr als 117.000 NSU Lambretta Autoroller gebaut und bestens verkauft.
Nach Ablauf des Lizenzvertrages mit Innocenti konnte dann Anfang 1956 die neue „Prima-D“ als konsequente technische Weiterentwicklung die würdevolle Nachfolge des NSU Lambretta Autorollers antreten. Nachdem schon vorher nicht mehr allzuviel an die „italienische Abstammung“ erinnerte, wurde jetzt durch einen neuen Namen und ein überarbeitetes Design deutlich gemacht, daß es sich spätestens jetzt um einen reinrassigen NSU-Roller handelte. Im Inneren blieb allerdings vorerst noch immer das immens aufwendige Konzept der Kraftübertragung mittels zweier Kegelradsätze und eines Stirnradpaares erhalten. Technisch gesehen ist eine Prima-D also eindeutig nur eine „verbesserte Lambretta“ (beide haben die NSU-interne Typenkennziffer „11“) und hat mit den später folgenden anderen Prima Modellen „III“, „V“, „K“ und „KL“ nur sehr wenig gemeinsam. Ohne die Beschränkungen des Lizenzvertrages konnte die Prima-D jetzt auch im Ausland ihre Karriere beginnen und brachte es trotz allgemeiner Flaute im Zweiradbereich auf immerhin fast 77.000 Einheiten von 1956 bis 1960.
Das Jahr 1957 brachte dann einen sowohl nochmals leistungsmäßig erstarkten als auch ingesamt konzeptmäßig stark überarbeiteten neuen Rollertyp, die NSU „Prima-V“. 9,5 PS aus 175cm³ in Verbindung mit einem neuen fußgeschalteten Vierganggetriebe ermöglichten nun weiter verbesserte Fahrleistungen die sich u.a. in der neuen Spitzengeschwindigkeit von 90 km/h widerspiegelten. Das gesamte Antriebsaggregat wurde grundlegend neu konstruiert und als sogenannte „Triebsatzschwinge“ ausgelegt. Dadurch, daß nun das gesamte Antriebsaggegat beim Federn mitschwang anstatt nur der hintere Teile des Getriebes wie bei der Lambretta und zusätzlich der Kurbeltrieb in Fahrzeuglängsachse lag, entfielen sowohl ein Kegel- und ein Stirnradpaar als auch das nicht ganz unproblematische Gehäuse-Gelenk. Unter Inkaufnahme höherer ungefederter Massen wurde hierdurch sowohl die Gesamtkonstruktion einfacher und zuverlässiger gemacht, als auch der Mehraufwand für den größeren Motor und das Vierganggetriebe zu einem großen Teil aufgefangen. So konnte der NSU-Kunde ab sofort einen nochmals wesentlich verbesserten Roller für nur wenig mehr Geld erhalten. Nach außen hin wurde das veränderte Image durch eine von Grund auf neuartig gestylte Karosse unterstrichen, die ihre Abstammung vom amerikanischen Straßenkreuzer nicht ganz verleugnen kann.
Die Prima-V mit der NSU-internen Typenkennziffer „28“ wurde in 8 Jahren (1957 – 1964) mehr als 31.000 mal verkauft.
Praktisch zeitgleich bekam die Prima-V 1957 eine kleinere Schwester, die jetzt 150cm³ und 7,4 PS starke „Prima-III“. Mit diesem Modell ließen sich für eine geringfügige Leistungseinbuße immerhin 150,- DM an Anschaffungskosten und gleichzeitig auch noch etwas an Kraftfahrzeug-Steuern sparen.
Von der „kleinen“ Prima-III“ mit der NSU-internen Typenkennziffer „26“ wurden in 8 Jahren (1957 – 1964) gut 29.000 Exemplare an den NSU-Kunden gebracht.
1958 wurde dem Trend zum preisgünstigen, aber trotzdem qualitativ hochwertigen Roller durch die neue „Prima-IIIK“ ( „K“ wie Kickstarter) von NSU nochmals besonders Rechnung getragen; der Preis verringerte sich – u.a. auch durch den Wegfall einiger Ausstattungsdetails und vor allem des elektrischen Anlassers – auf erstaunlich niedrige 1389,- DM. So kurios es auch klingt, gerade vom Sparmodell Prima IIIK wurde gleichzeitig eine „Luxusvariante“, die „Prima IIIKL“ aufgelegt. Für knapp 100,- DM mehr gab es hier wieder etwas mehr Zierat und Ausstattung als beim Standardmodell.
Die „Spar“ Prima Modelle IIIK und IIIKL (Typenkennziffer „33“) fanden von 1958 bis 1964 mit mehr als 23.000 Stück ihre neuen Besitzer.
Ende 1964 wurde die gesamte NSU Rollerproduktion ersatzlos eingestellt; im Laufe des Jahres 1965 fand mit den letzten Exemplaren des NSU Quick 50 Kleinkraftrades die gesamte NSU Zweiradproduktion ihr unrühmliches Ende.
Viele NSU Roller aber sind noch heute weltweit (dank der regen NSU-Exportaktivitäten und vieler internationaler NSU-Freunde) ein farbenfrohes, zuverlässiges und gern genutztes Mittel zur Freizeitgestaltung, sei es als Transportmittel oder einfach als Hobby, und zeugen von der ehemals großen Vergangenheit.